Als Unternehmer und Builder ist AI für mich mehr als ein Werkzeug geworden. Wo ich früher noch ein 100%iges menschliches Tech-Team hatte, haben mittlerweile größtenteils Agent-Teams die Arbeit übernommen. Bis letztes Jahr war es noch überwiegend Vibe-Coding, nun ist es Vibe-Working.

Der Reflex ist immer derselbe: Wo kann AI noch mehr bringen? Mehr Output, mehr Effizienz, mehr Geschwindigkeit.

Und dann… Kennst du diesen Moment, wo du dich manchmal fragst, wofür das alles. Wieso höher, weiter, schneller? Wohin geht meine Reise? Wenn mich diese Momente erwischen, fühlt es sich für mich so an, als würden zwei Persönlichkeiten in mir leben.

Als Unternehmer fließt diese Energie in mir, diese Neugier neue Dinge zu entdecken, der Reiz herauszufinden wie sie funktionieren, damit zu spielen und sie in meinem Alltag zu nutzen. Seit AI da ist, fühle ich mich als Builder so frei wie selten zuvor. Es ist fast wie ein Rausch.

Und dann gibt es den stillen Johannes, der leise im Inneren anklopft und mir was sagen will. Ich nehme es wahr, mal mehr mal weniger. Aber häufig wird es vom Alltag überschrieben. Von den ganzen Ideen, Projekten, Menschen, der Familie, Problemen und Herausforderungen.

Es gab mal eine Zeit, wo diese Triebigkeit bei mir zum Burnout geführt hat. Es ist mittlerweile fast ein ganzes Jahrzehnt her. Auf der Suche nach mir selbst habe ich super viel ausprobiert. Psychologe, Bücher, Coachings, neue Hobbies, alte Freunde wiedergefunden. Ich habe gelernt, dass es nicht darum ging, mich zu reparieren. Es geht darum, mich zu spüren.

In dieser Phase habe ich mir selbst einen Meditationstimer (breathe) gebaut und in den App Store gestellt. Ohne Marketing hatte breathe von Tag eins 100 Downloads pro Tag, immer mehr Nutzer und Feedbacks. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch checkdomain und kam gerade aus dem Burnout. Jetzt noch ein Projekt? Noch mehr Verantwortung? Meine Entscheidung war, es laufen zu lassen und mich nicht darum zu kümmern. Das war 2016.

Mitte letzten Jahres erwischte mich dann dieser Moment, wo ich mich fragte: Was ist eigentlich aus der breathe App geworden? Ich öffnete die App und was sah ich? Eine App die mittlerweile technisch ein ziemliches Chaos war. Verschobene Buttons, versteckte Navigation, Dinge die kaum noch klickbar waren.

Ich verstand die Welt nicht mehr. Wie kann eine App die total kaputt ist über die Jahre immer mehr positive Bewertungen sammeln?

4,7 ★ im App Store · 813 Bewertungen · 1,5 Mio. durchgeführte Meditationen

Ich schaute mir an, was aus den anderen Meditationsapps geworden ist. Headspace hat heute über 200 Millionen Nutzer, Calm ist eine Milliardenfirma. Sie sind zu riesigen Contentplattformen mutiert und wirken wie Netflix für Meditation.

Meine Erkenntnis: Die meisten wollen zur Entspannung kein Meditations-Netflix. Einfach kurz durchatmen. Zwei Minuten am Morgen, ein kleines Ritual vor einem Meeting und eine kleine Session vor dem Einschlafen. Kein Programm, kein Kurs und kein Content-Overload.

Also habe ich breathe in den letzten drei Monaten komplett neu entwickelt. Entstanden ist eine App um täglich für ein paar Minuten innezuhalten. Meditieren oder Atmen.

Das Ergebnis ist fast ironisch: Die modernste Technologie der Welt hat mir geholfen, ein Produkt zu bauen, das Menschen dabei hilft, ein paar Minuten am Tag offline zu sein.

Letzte Woche ist sie live gegangen. Wieder ohne Marketing und ohne Launch-Kampagne. Headspace und Calm haben Millionen in Marketing investiert.

Nach einer Woche: 233 DAU auf dem Peak, knapp 2.000 Sessions. Ohne einen einzigen Werbe-Euro.

Vielleicht war breathe nie für andere gebaut. Vielleicht war es immer für den stillen Johannes. Und offenbar gibt es davon gerade sehr viele.

breathe gibt es jetzt neu im App Store und bei Google Play.

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